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"Every dam' thing about Jane is remarkable to a pukka Janeite!" - Rudyard Kipling

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Jane Austen und die Männer
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Sonja
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Geschrieben Montag, Januar 17, 2005 @ 21:11:01  

Hallo,

hier wird es keine spektakulären Neuigkeiten zu erfahren geben, aber da das Thema im Groupread Emma aufkam und da nicht hingehört, dachte ich, machen wir eben ein neues Thema daraus.

1. Tom Lefroy, wahrscheinlich die erste Liebe. Der wurde von seiner Tante und Janes mütterlicher "Freundin" Mrs Lefroy postwendend entfernt, da die gute Jane zu wenig Mitgift mitbrachte (so liest man es mehr oder weniger deutlich überall), die ganze Geschichte kommt uns bekannt vor? Genau, davon klingt bestimmt in Persuasion etwas an, auch das trotzdem gute Verhältnis Anne und Lady Russel nachdem Anne die Einmischung als Fehler erkannt hat, liest sich unter diesen Umständen sehr interessant.

2. ein Unbekannter, etwas wie die große Liebe, Cassandra war der Meinung, dass er Jane nach einer gewissen Zeit sicher einen Antrag gemacht hätte und auch erhört worden wäre. Leider starb er schon nach kurzer Bekanntschaft.

3. Harry(?) Bigg-Whither(?), Jane willigte zunächst aus Vernunftgründen ein, um dann nach einer sicher unruhigen Nacht das Verlöbnis wieder zu lösen. Dieser Mann soll ihrer an Verstand absolut nicht ebenbürtig gewesen sein. Es wäre eine echte Vernunftehe a la Collins gewesen.

Mehr ernsthafte Kandidaten gab es wohl nicht. Und insofern, doch lauter verkorkste Gelegenheiten, irgendetwas passte immer nicht.

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"One half of the world
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Jane Austen in "Emma"

MierschB
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Geschrieben Samstag, Januar 22, 2005 @ 16:57:18  

Ich glaube, zu dem zweiten hab ich was gefunden:

Jane's Marriage
...
In a private limbo
Where none had thought to look,
Sat a Hampshire gentleman
Reading of a book.
It was called Persuasion,
And it told the plain
Story of the love between
Him and Jane.

He heard the question
Circle Heaven through—
Closed the book and answered:
‘I did—and do!’
Quietly but speedily
(As Captain Wentworth moved)
Entered into Paradise
The man Jane loved!

Das ist doch tröstlich...

Bruki

PS: Rudyard Kipling "Jane's Marriage"
PPS: Wieder nicht geklappt mit dem Link - bin zu blöd und faul das hinzufummeln...

Sonja
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Geschrieben Samstag, Januar 22, 2005 @ 17:54:11  

Hm, ich weiß nicht, aber die Parallelen mit der mütterlichen Freundin treffen ja auf Tom Lefroy zu. Bei dem zweiten Herrn hat sich niemand eingemischt, der ist einfach unglücklicherweise gestorben. Insofern meint Kipling wohl eher Tom Lefroy.

PS: hab den Link hingebastelt .

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MierschB
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Geschrieben Montag, Januar 24, 2005 @ 18:49:45  

Hm, warum "mütterliche Freundin"? Wo steht das? Hab ich das überlesen?

Ich denke - bin aber kein in den Dogmen bewanderter Clergyman - wenn der "Hampshire gentleman" schon in der Vorhölle sitzt, wenn Jane ins Paradies kommt, muss er vor ihr gestorben sein, was eher auf den "Unbekannten" zutreffen wird, da der erste über 90 Jahre alt wurde, Jane also lange überlebt haben sollte...
Aber möglicherweise gibt es im Jenseits andere Zeitbegriffe als hier auf Erden?!

Weiß man, ob der "Unbekannte" aus Hampshire war?

Bruki

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Sonja
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Geschrieben Montag, Januar 24, 2005 @ 20:13:04  

Reading of a book.
It was called Persuasion,
And it told the plain
Story of the love between
Him and Jane.

Persuasion handelt von einer mütterlichen Freundin, die sich einmischt, oder nicht ?Und vielleicht vermischt Kipling hier was.
Tom Lefroy war aus Irland. Woher der Fremde war, weiss man nicht. Und wofür sollte der Fremde in der Hölle sitzen? Tom Lefroy wurde von Madame Lefroy damals übelgenommen, dass er quasi Janes Herz gebrochen hat, obwohl er wußte, das seine und ihre finanzielle Situation die Verbindung nicht zuließen. Insofern hat er sich "versündigt", vielleicht meint Kipling das?

Wann ist es geschrieben von Kipling? Ich habe meines aus einer Biografie von 1913.

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MierschB
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Geschrieben Dienstag, Januar 25, 2005 @ 14:02:38  

Das Gedicht hab ich aus dem Web. Schau mal beim Janeiten-Thread nach, da ist ein Link dorthin... Erschienen ist das 1926 mein ich...

Ich bin kein Fachmann, aber Limbus ist nicht die richtige Hölle, sondern eine Art Vorhölle. Die war wohl für Leute, wo man nicht so recht wusste wohin damit, ungetaufte Kinder z.B. ... Aber wie gesagt, kein Fachmann bin ich...

Und ich glaube, dass Persuasion auch davon handelt, dass man auf eine verlorene Liebe sehr lange wartet... And it told the plain Story of the love between Him and Jane...

Also wenn dieser Lefroy NICHT aus Hampshire war, deutet das mehr auf den "Unbekannten" - aber setze ruhig voraus, dass ich mich mit der Jane-Austen-Biografie nicht so gut auskenne wie Du und hier Blödsinn schwafele...

Wenn es diesen "Unbekannten" gegeben hat, sollte man dann nicht auch annehmen können, dass Janes 2. Liebe die erste zu verdrängen in der Lage gewesen sein sollte... Sonst hätte sie sich ja nicht so "unsterblich" in den zweiten verlieben können. (Das würde denn die Trauer um den ersten etwas relativieren, da es ja einen "Nachfolger" gegeben hat...)

Bruki

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Sonja
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Geschrieben Dienstag, Januar 25, 2005 @ 14:50:22  

Also kann man vermuten, dass Kipling die Biografie kannte, die ich meinte. Die ist sicher als einer der wichtigsten anzusehen und wenn er so ein Fan war...

Ich habe extra heute noch mal nachgesehen und da steht auch bei dem Unbekannten nichts davon, dass er aus Hampshire war. Und die Autoren dieser Biografie waren der Sohn und der Enkel von James-Edward Austen-Leigh, der JA und vor allem Cassandra noch lange persönlich erlebt hat. Also viel näher dran kann man an der Quelle nicht sein. Dann wußte Kipling mehr als die Austen-Sippe

Quote:
Und ich glaube, dass Persuasion auch davon handelt, dass man auf eine verlorene Liebe sehr lange wartet.

Das stimmt natürlich, aber das trifft in gleichem Maße ja auch auf Tom Lefroy zu, dem sie mit Persuasion nun doch ein spätes Denkmal gesetzt hat. Und darüber ist sich Literaturwissenschaft eigentlich einig, dass dieser Roman der einzige ist, der ziemlich stark autobiografische Züge aufweist und an ihre Jugendliebe Tom Lefroy erinnert. Und nun ja, so realistisch wie Jane Austen nun mal war: warum sollte sie nicht zwei Männer in ihrem Leben lieben können, natürlich nacheinander .

Und vielleicht zermartern wir unsere Hirne hier auch völlig umsonst und Kipling hat einfach die dichterische Freiheit bemüht.

Viele Grüße

Sonja

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MierschB
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Geschrieben Dienstag, Januar 25, 2005 @ 21:13:21  

*schnief* und hab gedacht wir könnten die Identität des mysteriösen 2. aufdecken... Der dann fällige Jane-Austen-Nobell-Prize würde sich auf meinem Kaminaufsatz echt gut gemacht haben... Wieder ein Plan der nicht aufgegangen ist...

Bruki

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Lizzy
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Geschrieben Dienstag, Januar 25, 2005 @ 22:25:51  

Ein sehr schönes Thema, zu dem ich schon seit einiger Zeit etwas schreiben wollte, es aber erst jetzt (nach einiger Recherche) schaffe.
Tom Lefroy kam tatsächlich aus Irland (jedenfalls steht das in den Biographien, die ich mein Eigen nenne). Er wurde zum Jahreswechsel 1795/96 von den Lefroys eingeladen, um sich von gesundheitlichen Beschwerden und Problemen mit dem Augenlicht zu erholen. Er soll ein schüchterner, intelligenter junger Mann gewesen sein. Das Einzige, was Jane an ihm auszusetzen hatte, war sein heller Cutaway. Aus Janes Briefen erfahren wir ja nicht so richtig, wie sie wirklich über die ganze Sache dachte. Ob sie wirklich seinen Heiratsantrag erwartete? Den Lefroys blieb das Ganze wohl nicht verborgen, denn sie schickten ihn nach London. Mrs. Lefroy hatte wohl ein schlechtes Gewissen gegenüber Jane, denn Tom Lefroy war finanziell (noch) nicht in der Lage, eine Ehe einzugehen, Jane aber trotzdem "Avancen" gemacht. Es kursiert aber auch noch das Gerücht, dass er schon vergeben war.
Er heiratete 1799 und führte eine glückliche Ehe, die wohl mit vielen Kindern gesegnet wurde. Tom Lefroy brachte es bis zum obersten Richter von Irland.
Er sah Jane Austen bis zum Ende seines Lebens "als das Objekt seiner jugendlichen Verehrung".
Meine Meinung ist, dass Jane Austen ihn geliebt hat (zumindest mehr als sie zugeben wollte). Ich schätze sie aber auch (schon im Alter von zwanzig Jahren) so ein, dass sie vernünftig genug war zu erkennen, dass sie beide einfach keine finanzielle Basis hatten.

Bald darauf soll sich eine "zweite Liebelei" abgezeichnet haben. Und wer hatte seine Finger diesmal im Spiel? Sieh' an: die Lefroys! Bei ihnen war nämlich 1777 ein "Freund", dessen Brief schon hier von mir erwähnt wurde. Das hieß in der damaligen Zeit eigentlich nichts anderes, als dass er Jane gerne geheiratet hätte, aber noch keine finanzielle Basis zu bieten hatte. Die Autoren von "Jane Austen. Her Life and Letters" fanden 1913 heraus, dass es sich wohl um den Geistlichen Samuel Blackall gehandelt hat.

Tja und die anderen Beiden? Den Unbekannten soll selbst Cassandra nie gesehen haben und sie kannte wohl auch nicht mal seinen Namen. Das wird wohl immer Jane Austens Geheimnis bleiben (was sie vielleicht umso interessanter macht ).
Harris Bigg-Whither war sechs Jahre jünger und soll wohl eher sehr derb gewesen sein. Die Austens waren (schaden-)froh, dass Jane diesen Mann nicht geheiratet hat. Jane hätte durch die Heirat dem von ihr verhassten Bath "entfliehen" können, aber sich eben an einen Mann gebunden, den sie (noch?) nicht liebte. Ich fände es interessant zu wissen, welche Rolle Cassandra in dieser Nacht des "Überdenkens" gespielt hat.

So, jetzt will ich aber noch etwas zu Kiplings Gedicht sagen. Ich meine auch, dass er wohl Tom Lefroy meint. Vielleicht bezieht sich der "Hampshire gentleman" ja auf den Ort der Begegnung der Beiden?
Allerdings sollte man meiner Meinung nach aufpassen, inwieweit man die Werke Jane Austens auf ihr eigenes Leben bezieht. Man kann auch sagen, dass "Sense and Sensibility" biographische Züge hat. Aber vielleicht kann man ja aus jedem ihrer Werke etwas von ihrer Persönlichkeit entdecken?

So, jetzt habe ich aber genug geschrieben. Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt .

Lizzy

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Sonja
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Geschrieben Dienstag, Januar 25, 2005 @ 22:46:06  

Hallo Lizzy,

schön, dass sich jetzt doch noch jemand für dieses Thema interessiert.

Und ich habe auch bei Tom Lefroy gedacht: eigentlich lässt sie nie raus, wie sie ganz tief im Innern zu ihm steht. Und ich vermute auch, dass sie schon ziemlich verliebt war, aber noch pubertär (darf man das sagen?) genug, es mit Scherzen zu überspielen.

Zu Samuel Blacknell: das habe ich so in Erinnerung, dass er nicht abgeneigt war, sie aber uninteressiert. Und den hat Madame Lefroy tatsächlich als Ersatz für Tom Lefroy rangeschafft. Weil er so gar nicht auf Jane Austens Gegenliebe stieß, habe ich ihn nicht erwähnt.

Und der Unbekannte: ich meine schon, dass Cassandra seinen Namen wusste, da er während dieses Sommeraufenthaltes mit den Austens verkehrt hat. Nur hat sie diesen Namen nie verraten. Wie hätte Jane Austen auch unter vier Augen mit ihm verkehren können, das wäre doch undenkbar.

Jane-Austen-Nobelpreis: och ja, den hätte ich auch gerne genommen, ich fürchte nur das Feld ist schon von Berufeneren als uns umgepflügt worden .

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Geschrieben Donnerstag, Januar 27, 2005 @ 21:00:53  

Oh, Du bist aber prosaisch!

Nö, nö, wenn also dieser Lefroy so ein Stiesel war, kann Kipling unmöglich den gemeint haben... Stell Dir das mal vor: Da sitzt so ein 91jähriger Mümmelgreis ohne Zähne und Haare, dem zu Jane nix weiter einfällt als "da war doch mal was"... Und ich finde, er hat sie auch nicht verdient. Denn was soll denn das heißen: Kaum aus den Augen und schon 'ne andere geheiratet?! - Er hätte wenigstens den Anstand besitzen müssen sich 8 Jahre lang zu grämen und ein Vermögen anzuhäufen - z.B. durch Seeräuberei - und denn mal nach Hampshire zurückzukommen und solange um Jane herumzustreifen bis sie was von "Frauen vergessen nix so schnell" fallen lässt... Und dann wären sie in den Sonnenuntergang gesegelt.

Ich meine, das einzige, was ihn hätte entschuldigen können, wäre gewesen, dass er vorher gestorben ist... Womit wir wieder bei meinem Favoriten wären!

Bruki

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Jadzia
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Geschrieben Freitag, Januar 28, 2005 @ 21:45:00     ICQ

LOL!

(Zum eigentlichen Thema habe ich nix mehr hinzuzufügen.)

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>> This post was submitted by Elena.
>> Es lebe das 'ß'!
>> "You do not have to like someone to love them. That’s… the funny thing about love…" (Peter David)

MierschB
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Geschrieben Samstag, Januar 29, 2005 @ 21:19:37  

Bei der Suche nach den Janeiten hab ich eine schöne Website gefunden:

http://www.ashton-dennis.org/

Dort hat mich gleich eine Seite mit Zitaten gefesselt. Aber man wird gewarnt, was ich jetzt hier auch mache: "One word of warning - this posting causes pain and creates anger." Denn es geht "Without Brilliancy of Any Kind" um "What Some Women Should Not Have Said About Jane Austen"

http://www.ashton-dennis.org/women.html

Und eine schöne Geschichte über Jane und Tom Lefroy: "I was too proud to make any inquiries"

http://www.ashton-dennis.org/letter11.html

Das bricht einem das Herz - außer man hat keines. (Und den Samuel Blackall können wir uns als ein Abbild Mr Collins vorstellen - das weiß ich, nach dem ich das gelesen habe... )

Da auf der Website gibt es außerdem Biografien, Auszüge der "leidenschaftlichen Stellen" aus ihren Romanen, Vergleiche mit anderen Werken (lesenswert ist bestimmt der Vergleich von Fanny Price und Jane Eyre)... Na ja, und dann sind da auch Fotos aus Jane-Austen-Verfilmungen und sonstiger Stuff über die Filme...

Der Author muss sehr viel Zeit da reingesteckt haben...

Und ich hab endlich erfahren, warum Friendship immer "falsch" geschrieben wird in "Love and Freindship".

Bruki

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Geschrieben Samstag, Februar 26, 2005 @ 17:11:55  

Hallo JAFs,

ich hab eine kleine Übersetzung der Webseite "Jane Austen's Eleventh Letter" angefertigt, die ich hier posten möchte als Link: "Ich war zu stolz nachzufragen" ... Außerdem gibt es da was über Ox cheek, der in dem Brief erwähnt wird und den Jane Austen gerne gegessen hat!!!! - Sagt sie jedenfalls - aber man weiß ja bei ihr nie, wo der Spaß anfängt und der Ernst aufhört, also vorsicht beim Nachkochen...

Sonja und Mella und Margitta und Heidi seien gedankt für ihre Hilfe... ich hoffe ich habe keinen vergessen?

Bruki

Ein kleiner Tipp: Auf eine der Fragen für das Quiz bin ich beim Übersetzen der o.g. englischsprachigen Webseite gestoßen...

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Geschrieben Samstag, Februar 26, 2005 @ 18:54:40  

Vielen Dank, Bruki. Deine Ausführungen waren sehr interessant und aufschlussreich. Von diesem Park Honan hatte ich bis jetzt noch gar nichts gehört. Aber bei den vielen Biographen verliert man irgendwann den Überblick.
Auch ich mag die Briefe von Jane Austen sehr und frage mich oft, was in denen gestanden haben könnte, die Cassandra vernichtet hat. Hätten wir dann ein anderes Bild von unserer Lieblingsautorin? Ich liebe ihre Art, wie sie gerade noch etwas Rührendes oder Trauriges schreibt und im folgenden Satz vor Belanglosigkeit, Heiterkeit oder Ironie nur so strotz ("Bald werden wir ein Schwein schlachten." ).
An der Stelle, an der Tom Lefroy beschrieben wurde, dachte ich zuerst: Das könnte auch ein Vorbild für Edward Ferrars gewesen sein. Aber dann kam die Sache mit dem Hochmut und das war Edward dann nun wieder nicht.
Ich bleibe aber bei meiner Meinung, dass man vorsichtig sein sollte, in die Romane zuviel aus Jane Austens Leben hinein zu interpretieren. Woher weiß Honan, was für ein Mensch Mr. Lefroy war? Ich glaube, dass Jane Austen nicht die Absicht hatte, ihre Romanfiguren nach (nur) einem realen Vorbild zu entwickeln. Das wäre vielleicht damals auch zu fatal gewesen? Sie hat sicherlich Einiges in ihren Romanen aufgegriffen, wovon sie selbst direkt oder indirekt betroffen war. Relative Armut, unglückliche Ehen, zuviele Kinder usw. Am meisten von ihrer eigenen Situation steckt meiner Meinung nach sicherlich in den Schwesternpaaren Elinor und Marianne Dashwood sowie Jane und Elizabeth Bennet bzw. deren Umgang miteinander.
Da fällt mir noch etwas ein: Jane Austen zählte Mr. Darcy nicht zu ihren Lieblingshelden (wenn man von "ihren" Männern so sprechen darf). Entweder genau weil er Tom Lefroy angeblich nachempfunden war (als späte "Rache" sozusagen) oder weil es doch Unterschiede zwischen den Beiden gab. Aber vielleicht ist das auch zu vage und zu weit hergeholt. Da interpretiere ich jetzt vielleicht zuviel hinein . Jane Austen kann sich schließlich nicht mehr wehren.
Nochmal großes Lob an Dich, Bruki, und die viele Arbeit, die Du Dir damit gemacht hast.
Lizzy

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Geschrieben Samstag, Februar 26, 2005 @ 20:04:32  

Ich möchte hier noch eine Erfahrung nachreichen, die ich bei der Übersetzung insbesondere des Briefes gemacht habe: Ich hab ihn vorher im Englischen gelesen und in Auszügen in der Maletzke Biografie auf deutsch... Aber direkt beim selber Übersetzen kam ich Jane Austen viel näher als beim Lesen. Plötzlich gab es Fragen, auf die man beim einfachen Überfliegen oder beim Lesen der Übersetzungen nie gekommen wäre... Teilweise sicher auch, weil Jane einen sprunghaften Schreibstil pflegte: eben noch über Schweineschlachten schreibt und schon bei einem Ball ist und nahtlos zur Geburt Marys Baby kommt. - Und man ist bei Übersetzen immer auf eine gewisse Doppeldeutigkeit der Worte oder Phrasen gestoßen... Sonja kann ein Lied davon singen: Sie war hell entzückt, was ich da im ersten Entwurf für ironische Spitzen rausgekitzelt habe - aber leider sind diese denn in der Endfassung unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit bereinigt worden... Aber bei so einem Projekt kann man ja nie wissen, vielleicht hat Jane es ja genau so doppel-deutig, wie mein Übersetzungsprogramm suggerierte, auch gemeint. Durch unsere mangelhaften englischen Sprachkenntnisse können wir Deutsche ja nicht so recht nachempfinden wie das im Original wirkt und bei der Übersetzung ist auf jeden Fall was verlorengegangen...

Ich will damit sagen, dass ich jeder/m nur empfehlen kann, sich wenigstens einen Brief Jane Austens - oder einen anderen ihrer Texte mal in englischen Original vorzunehmen und eigenhändig zu übersetzen... Es kommen erstaunliche neue Erkenntnisse, die man beim Lesen einer fremden Übersetzung oder beim Radebrechen des Originales nicht hat...

Ich werde mir auf jeden Fall dieses Vergnügen mit einem Text von oder über Jane mal wieder antun... Der Spaß dabei (und am Ergebnis) war für mich der Mühe wert...

Bruki

PS: Ich glaube, dass Jane echtes Interesse an Schweinen und Schafen und Hüten und Bändern hatte... Für sie war das so wichtig. So wie heute die Leute über Fußballtrainer, Automarken oder Oskarverleihungen reden...

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Geschrieben Sonntag, Februar 27, 2005 @ 20:58:21  

Hier ist noch was zu dem zweiten Heiratskandidaten Jane Austens

In der Grawe-Biografie wird zu dem geheimnisvollen Fremden folgendes gesagt:

"Schon 1801, noch bevor man in das Haus am Sydney Place Nr. 4 (in Bath) eingezogen war, gönnte man sich einen Urlaub in Sydmouth an der Südküste, östlich von Exeter, und hier geschah die recht geheimnisvolle Begegnung Janes mit einem jungen Mann, der offenbar ernste Absichten hatte, sie zu heiraten. Es gibt dafür nur eine Quelle, und zwar Cassandra Austen, die lange nach dem Tod ihrer Schwester ihrer Nichte Caroline Austen-Leigh folgendes erzählte:

Alles, was ich [Caroline] weiß, ist dies. In Newtown hielt sich Tante Cassandra bei uns auf, als wir die Bekanntschaft eines gewissen Mr. H. E. vom Ingenieurcorps machten. Er war sehr angenehm im Umgang und sah sehr gut aus. Meine Tante war von ihm außerordentlich angetan, und ich wiederum war außerordentlich überrascht von ihrem Lob; sie bewunderte doch sonst kaum je Fremde. Später, ein andermal - ich erinnere mich nicht genau, wann - sprach sie von ihm in so hohen Tönen als einem mit persönlichen Vorzügen bemerkenswert gesegneten Mann und sagte, er erinnere sie stark an einen Gentleman, den sie eines Sommers getroffen hatten, als sie - ich glaube, sie sagte in Devonshire - an der See waren. Ich glaube nicht, daß sie den Namen des Ortes genannt hat, und bin sicher, daß es nicht Lyme war, denn daran würde ich mich erinnern. Er habe sich außerordentlich zu meiner Tante Jane hingezogen gefühlt - ich nehme an, es handelte sich um einen Umgang von einigen Wochen -, und als sie sich dann getrennt hätten (ich vermute, er war auch nur Feriengast dort, aber vielleicht lebte seine Familie in der Nähe), habe er sie gedrängt, ihm zu sagen, wo sie den nächsten Sommer verbringen würden, und habe damit vermutlich gemeint oder es sogar gesagt, daß er auch dort sein werde, wo immer es auch sei. Ich kann nur sagen, daß Tante Cassandra den Eindruck hatte, er sei in ihre Schwester verliebt gewesen und habe es ganz ernst gemeint. Bald darauf hörten sie von seinem Tod. Mr. H. E. starb auch, kurz nachdem wir ihn in Newtown getroffen hatten, an einer plötzlichen Krankheit, und ich nehme an, der Zufall des frühen Todes beider veranlaßte meine Tante, von ihm, dem Unbekannten, überhaupt zu sprechen. Ich bin nach der Art, wie sie die Erinnerungen an ihn heraufbeschwor, und auch deshalb, weil sie nicht daran zweifelte, daß seine Bewerbung erfolgreich gewesen wäre, sicher, sie hielt ihn ihrer Schwester für würdig.

Die Ergänzungen anderer Familienmitglieder kurz vor oder kurz nach der Veröffentlichung von James Edward Austen-Leighs Memoir schaffen eher Verwirrung als Klarheit. Nach einem dieser Berichte ist es möglich, daß die Ähnlichkeit zwischen dem Bewerber Janes und dem Fremden von Newtown auf Verwandtschaft beruhte. Trotz all dieser Bemühungen bleibt das Ereignis nebelhaft."

Also, demgemäß war er kein Gentleman aus Hampshire...

Bruki

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